Erfolgreiches Crowdfunding von Grüne Erde

1.800 Kunden leihen dem Öko-Unternehmen 11,6 Mio Euro. 400 Darlehensgeber überzeugten sich in der „Grüne Erde-Welt“ bei Scharnstein persönlich davon, was mit ihrem Geld geschieht.

 

Mit rund 1.800 privaten Darlehensgebern und bis dato 11,6 Mio aufgebrachten Euro ist das Crowdfunding-Modell von Grüne Erde das erfolgreichste Österreichs. Wie das Öko-Unternehmen aus dem oberösterreichischen Almtal dieses Geld konkret investiert: Davon überzeugten sich vor kurzem rund 400 (!) der Darlehensgeber persönlich bei einer Informationsveranstaltung in der „Grüne Erde-Welt“ bei Scharnstein.

Dieses neue Besucherzentrum wird auf 9.000 m2 einen großen Store, Produktionsstätten für Naturmatratzen, Polstermöbel, Heimtextilien und Naturkosmetik, Lagerräume sowie ein vegetarisch-biologisches Bistro unter einem Dach vereinen. Die Eröffnung ist für Herbst 2018 geplant.

Auf der Info-Veranstaltung waren von den Darlehensgebern – alles andere als klassische „Investoren“ – Kommentare zu hören wie: „Wir waren sehr beeindruckt von der Idee und deren Umsetzung. Wir freuen uns, dass wir durch das Beteiligungsmodell einen besseren Einblick in die Grüne Erde-Welt erhalten, die unserer Lebensphilosophie entgegenkommt.“ Oder: „Sehr gute Idee, um die mir zuwideren Verstrickungen von Geld und Spekulationen aus dem Weg zu gehen und die Darlehen so einzusetzen, wie es für die Marke Grüne Erde Sinn macht.“

Grüne Erde-Geschäftsführer Reinhard Kepplinger: „Der Erfolg unseres bankenunabhängigen Finanzierungsmodells ist ein massives Zeichen der Selbstbestimmung unseres Unternehmens und der engen Verbundenheit mit unseren Kunden.“

Das Crowd-Funding von Grüne Erde war die Reaktion auf die globale Finanzkrise 2008 und der in Folge herrschenden „Kreditverweigerung“ der Banken an viele Klein- und Mittelbetriebe, von der auch das Öko-Unternehmen betroffen war.

„Also entschieden wir uns für ein alternatives Finanzierungsmodell und baten unsere Kunden, uns Geld zu leihen“, sagt Kepplinger. Das war im Mai 2013. Inzwischen wurde eine de facto-Unabhängigkeit von Geschäftsbanken erreicht, die Eigenkapitalquote konnte versechsfacht, das Unternehmen nachhaltig wirtschaftlich abgesichert werden.

Wie ticken die Darlehensgeber? Was motiviert sie? Reinhard Kepplinger: „Sie möchten ökologische Ideen, Projekte und Produkte finanziell unterstützen und damit den Gedanken des nachhaltigen Wirtschaftens stärken.“
Offenbar vertrauen die Darlehensgeber dem Unternehmen Grüne Erde und den Menschen, Ideen und Produkten, die dahinter stehen. Es geht ihnen weniger um Zinsen und schnellen Gewinn als um ethische Werte. Um eine Vision, eine Idee, eine bessere Welt. Eine Hoffnung, eine Geschichte, an der sie teilhaben können, um Alternativen zum bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystem, um Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Emanzipation. Sie setzen mit ihrem Engagement ein kräftiges Lebenszeichen für eine – in Österreich schwach entwickelte – selbstbewusste Bürgergesellschaft.

Bereits 2014 kam die „Arena Analyse“, durchgeführt von der Wochenzeitung DIE ZEIT, einer Wiener Unternehmensberatung und rund 40 österreichischen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, zum Ergebnis: Die Finanzkrise der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass „altmodische“ ethische Werte wie Ehrlichkeit und Anständigkeit, soziale Fairness, gesellschaftlich und ökologisch verantwortliches Wirtschaften wichtiger sind denn je. Künftig muss und wird es mehr Raum für alternative Finanzierungsmodelle jenseits der Geldindustrie geben.

 

Über Grüne Erde GmbH
Denken und Handeln der Grünen Erde sind geleitet von der Sehnsucht nach einem ökologisch verantwortungsvollen, sozial gerechten, qualitätsbewussten und sinnlichen – nicht von Gewinnmaximierung getriebenen – Leben. Das Ideal eines Lebens und Wirtschaftens in Verbundenheit mit Natur und Mensch bestimmt die Grundwerte des Unternehmens und damit auch die Art und Weise, wie die Produkte hergestellt werden.
“ Gegründet 1983 im oberösterreichischen Almtal / Scharnstein
“ Erstes Produkt: die handgefertigte Naturmatratze „Weiße Wolke“
“ Ökologischer Pionierbetrieb, der auch nach internationalem Maßstab als Vorbild für eine andere Art des Wirtschaftens dient
“ Umsatz im Geschäftsjahr 2016/17: ca. 45 Millionen Euro
“ Ca. 410 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Produktion, Verkauf und Verwaltung, davon rund 80 Prozent Frauen
“ 6.640 Einzelprodukte in den Sortimenten Vollholzmöbel, Heimtextilien, Wohnaccessoires, Naturkosmetik und ökologische Mode
“ Über 200.000 aktive Kunden
“ Circa 3 Millionen Visits pro Jahr auf der Website